Inhalt
- Was ist Lieferantenklassifizierung?
- Ziele der Lieferantenklassifizierung
- Warum ist Lieferantenklassifizierung wichtig?
- Welche Kriterien eignen sich für die Lieferantenklassifizierung?
- Methoden der Lieferantenklassifizierung
- Typische Lieferantenkategorien
- Wie eine SRM-Lösung unterstützen kann
- Fazit: Lieferantenklassifizierung als strategisches Steuerungselement
Eine strukturierte Lieferantenklassifizierung bildet die Grundlage für ein transparentes, zielgerichtetes Lieferantenmanagement und damit für fundierte Entscheidungen im Einkauf. Unternehmen, die ihre Lieferanten systematisch klassifizieren, gewinnen wertvolle Einblicke in ihre Beschaffungsstrukturen und schaffen die Voraussetzung für eine effizientere Zusammenarbeit, Risikominimierung und gezielte Weiterentwicklung ihrer Lieferantenbeziehungen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau unter Lieferantenklassifizierung zu verstehen ist, welche Kriterien und Methoden dabei zum Einsatz kommen, welche typischen Lieferantenkategorien es gibt und wie Sie mit einem durchdachten Klassifizierungsansatz und einer modernen SRM-Lösung (Supplier Relationship Management) Ihre Einkaufsprozesse strategisch optimieren können.
Was ist Lieferantenklassifizierung?
Bei der Lieferantenklassifizierung handelt es sich um die strukturierte Einteilung von Lieferanten in verschiedene Gruppen – basierend auf Kriterien wie z.B. Qualität, Kostenstruktur oder strategischer Bedeutung. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit und Relevanz von Lieferanten objektiv zu bewerten und so eine fundierte Basis für das Lieferantenmanagement zu schaffen.
Doch welche Lieferanten sind für das eigene Unternehmen unverzichtbar und haben eine strategische Schlüsselrolle? Wo lohnt sich eine engere, partnerschaftliche Zusammenarbeit, zum Beispiel mit innovationsstarken Lieferanten? Und bei welchen Anbietern handelt es sich eher um Standardlieferanten, für die auch Alternativen geprüft werden sollten?
In der Praxis hilft die Klassifizierung, solche Fragen zielgerichtet zu beantworten – etwa bei der Weiterentwicklung bestehender Beziehungen, der Optimierung des Portfolios oder bereits bei der Auswahl neuer Lieferanten. Besonders wirkungsvoll wird dieser Prozess, wenn er digital unterstützt wird: Moderne SRM-Lösungen bieten die Möglichkeit, Bewertungen zentral zu erfassen, dynamisch zu aktualisieren und mit Maßnahmenmanagement zu verknüpfen.
Ziele der Lieferantenklassifizierung
Die Lieferantenklassifizierung verfolgt das Ziel, Lieferantenbeziehungen strategisch steuern, Risiken minimieren und Potenziale gezielt nutzen zu können. Im Detail lassen sich folgende Zielsetzungen ableiten:
- Transparenz schaffen: Objektive, vergleichbare Bewertung der Lieferanten entlang definierter Kriterien
- Risiken reduzieren: Früherkennung von Abhängigkeiten, Engpässen oder Compliance-Verstößen und Basis für Vendor Risk Management
- Ressourcen fokussieren: Konzentration auf strategisch wichtige Lieferanten im operativen Alltag und in der Weiterentwicklung
- Lieferantenentwicklung steuern: Gezielte Maßnahmen zur Leistungsverbesserung oder Innovationsförderung einleiten
- Portfolio optimieren: Fundierte Entscheidungen zur Auswahl, Bündelung, Entwicklung oder Trennung von Lieferanten treffen
- Strategische Ausrichtung unterstützen: Lieferantenmanagement an Unternehmenszielen wie Innovation, Resilienz oder Nachhaltigkeit ausrichten
- Digitalisierung nutzen: Mit einer SRM-Lösung Klassifizierungen digitalisieren, laufend aktualisieren, analysieren und automatisieren
Warum ist Lieferantenklassifizierung wichtig?
Eine strukturierte Lieferantenklassifizierung schafft Klarheit in zunehmend komplexen Beschaffungsstrukturen. Sie ermöglicht es Unternehmen, ihre Lieferantenbeziehungen gezielt zu steuern, Risiken frühzeitig zu erkennen und Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den größten strategischen Nutzen bringen. Gerade für mittelständische Unternehmen ist sie ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem zukunftssicheren, transparenten Lieferantenmanagement. Moderne SRM-Lösungen unterstützen dabei, den Prozess effizient abzubilden und aktuelle Leistungs- oder Risikodaten direkt einzubeziehen.
Welche Kriterien eignen sich für die Lieferantenklassifizierung?
Die Aussagekraft einer Lieferantenklassifizierung hängt maßgeblich davon ab, mit welchen Kriterien und Bewertungsdimensionen gearbeitet wird. Entscheidend ist dabei ein klar definiertes Set an Kriterien, das sowohl die operative Leistungsfähigkeit als auch die strategische Zukunftsrelevanz abbildet.
In der Praxis haben sich folgende Dimensionen bewährt:
- Qualität: Produkt- oder Dienstleistungsqualität, Fehlerquoten, Reklamationshäufigkeit, Einhaltung von Spezifikationen, ggf. vorhandene Zertifizierungen. Qualität ist ein zentraler Faktor, weil sie direkten Einfluss auf Kundenzufriedenheit, Markenimage und interne Folgekosten hat.
- Preis & Gesamtkosten (TCO – Total Cost of Ownership): Neben dem reinen Stückpreis werden Zahlungsbedingungen, Rabatte, Logistikkosten, Transportzeiten und nachgelagerte Kosten (z. B. durch Qualitätsprobleme oder verspätete Lieferungen) einbezogen. Der gesamtheitliche Blick ist entscheidend, da der günstigste Preis nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung darstellt.
- Liefertreue & Zuverlässigkeit: Termintreue, Lieferfähigkeit, Flexibilität bei Mengen oder Ad-hoc-Bedarfen sowie Stabilität der Supply Chain. Verzögerungen oder Ausfälle können zu Produktionsstopps, Projektverzögerungen und Umsatzverlusten führen.
- Innovation & Zukunftsfähigkeit: Technologische Kompetenz, Innovationsbeiträge, gemeinsame Entwicklungsprojekte und proaktive Optimierungsvorschläge. Strategische Lieferanten sichern Wettbewerbsvorteile – etwa durch neue Produkte, schnellere Time-to-Market oder Differenzierung.
- Nachhaltigkeit & Compliance: Umwelt- und Sozialstandards, Transparenz in der Lieferkette, CO₂-Bilanz, Audits sowie Einbettung in ESG-Ziele (Environmental, Social, Governance). Nachhaltigkeit ist zunehmend reguliert, relevant für die Reputation und spielt wirtschaftlich eine zunehmende Rolle.
Diese Kriterien bilden die Grundlage für eine differenzierte, nachvollziehbare Bewertung und strategische Einordnung – zur Ableitung passender Maßnahmen (z. B. Entwicklung, Absicherung, Bündelung oder Ersatz von Lieferanten).
Methoden der Lieferantenklassifizierung
Doch wie lässt sich die Bewertung in der Praxis umsetzen? Der Weg zur Lieferantenklassifizierung kann je nach Unternehmensgröße und Digitalisierungsgrad unterschiedlich aussehen. Zwei methodische Ansätze haben sich besonders bewährt – einer als pragmatischer Einstieg, der andere für eine strategisch fundierte Steuerung:
- ABC-Analyse: Einfacher Einstieg mit Fokus auf Einkaufsvolumen
Die ABC-Analyse teilt Lieferanten anhand ihres Beitrags zum Einkaufsvolumen in A-, B- und C-Gruppen ein. A-Lieferanten stehen für den höchsten Wertanteil, B-Lieferanten für mittleres Einkaufsvolumen und C-Lieferanten für kleinere Volumen. Diese Methode ist schnell umsetzbar und bietet eine erste wirtschaftliche Priorisierung. Sie eignet sich besonders gut als Einstieg in die Klassifizierung, bildet jedoch nur einen Teilaspekt (Kosten/Wert) ab und vernachlässigt strategische Kriterien wie Qualität oder Innovationsfähigkeit.
- Multi-Kriterien-Scorecards: Strategische Bewertung auf breiter Basis
Für eine umfassendere, strategischere Sicht setzen viele Unternehmen auf Multi-Kriterien-Scorecards. Hier werden relevante Kriterien wie Qualität, Liefertreue, Preis/TCO, Innovationspotenzial und Nachhaltigkeit systematisch erfasst und je nach Zielsetzung gewichtet. Dies erlaubt eine differenzierte, vergleichbare Bewertung aller Lieferanten – auf einer transparenten, nachvollziehbaren Bewertungsgrundlage. Besonders effizient lassen sich solche Scorecards in digitalen SRM-Lösungen abbilden, da sie die zentrale Pflege und Aktualisierung aller Lieferantendaten, automatisierte Scoring- und Ranking-Funktionen, sowie die Integration in Maßnahmenmanagement und Lieferantenentwicklung abbilden.
Ausblick: Von der Klassifizierung zur dynamischen Risikobewertung
In digital fortgeschrittenen Einkaufsorganisationen kommen zusätzlich Methoden wie AHP (Analytic Hierarchy Process), TOPSIS oder externe ESG- und Risiko-Scorings zum Einsatz. Diese Systeme ermöglichen eine kontinuierliche, datenbasierte Bewertung, die auf aktuelle Entwicklungen (z. B. Audits, Qualitätskennzahlen, Compliance-Vorfälle) reagieren kann – Klassifizierung wird so zu einem dynamischen Steuerungsinstrument.
Typische Lieferantenkategorien
Die unterschiedlichen Methoden der Lieferantenklassifizierung – ob auf Basis einfacher Volumenanalysen oder komplexer, mehrdimensionaler Bewertungsverfahren – verfolgen letztlich alle dasselbe Ziel: eine fundierte Einteilung der Lieferanten in unterschiedliche Kategorien, die sich anhand ihrer Bedeutung, Leistungsfähigkeit und strategischen Relevanz unterscheiden. Aus dieser Bewertung ergeben sich in der Praxis typische Lieferantenkategorien, wie z.B. die folgenden:
| Lieferantenkategorie | Merkmale | Ziel der Zusammenarbeit |
| Strategische Lieferanten | Hohe Bedeutung für das Kerngeschäft, Alleinstellungsmerkmale, Innovationspotenzial | Enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit; gemeinsame Entwicklung |
| Bevorzugte Lieferanten | Hohe Leistungsfähigkeit, zuverlässige Qualität, bewährte Kooperation | Langfristige Zusammenarbeit, bevorzugte Vergabe von Aufträgen |
| Standardlieferanten | Austauschbare Leistungen, Preis‑Leistungs‑Fokus, einfache Vergleichbarkeit | Effizienzsteigerung, Wettbewerbsfähigkeit sichern |
| Potenzielle Lieferanten | Noch nicht aktiv im Lieferantenstamm, aber relevant für zukünftige Anforderungen | Evaluierung, gezielte Entwicklung und Integration |
Diese Kategorisierung unterstützt Unternehmen dabei, ihre Lieferantenportfolios systematisch zu strukturieren und Maßnahmen gezielt auf die jeweilige Einordnung des Lieferanten auszurichten. Etwa durch Risikomanagement bei strategischen Lieferanten oder Effizienzmaßnahmen bei Standardlieferanten.
So lassen sich aus Scorecard-Ergebnissen Kategorien ableiten
In der Praxis hat es sich bewährt, auf Basis des Gesamtscores aus der Lieferantenbewertung klare Schwellenwerte für die Kategorisierung festzulegen.
Zum Beispiel:
- Über 80 % → Strategischer Lieferant
- Zwischen 60–80 % → Bevorzugter Lieferant
- Zwischen 40–60 % → Standardlieferant
- Unter 40 % → Potenzieller oder zu evaluierender Lieferant
Wichtig: Die Schwellenwerte sollten regelmäßig überprüft und an die strategischen Zielsetzungen des Unternehmens angepasst werden.
Wie eine SRM-Lösung unterstützen kann
Eine SRM-Lösung (Supplier Relationship Management), die für den gesamten Einkaufsprozess genutzt und kontinuierlich mit aktuellen Daten gepflegt wird, unterstützt Unternehmen auch besonders im Hinblick auf die Lieferantenklassifizierung.
- Zentrale Datenbasis & Transparenz: Ein SRM-System sammelt, standardisiert und zentralisiert alle relevanten Lieferantendaten — von Lieferperformance über Qualitätskennzahlen bis hin zu Nachhaltigkeits- und Compliance-Daten. Dadurch wird die Lieferantenklassifizierung deutlich einfacher, greift für alle Lieferanten auf dieselbe Datenbasis und ist auf einen Blick einsehbar.
- Dynamische Bewertung und Aktualisierung: Lieferantenbeurteilungen sind keine einmalige Sache. Mit einer SRM-Lösung lassen sich Klassifizierungen fortlaufend aktualisieren, z. B. nach neuen Audits, geänderten Lieferkonditionen oder nach Liefer- und Qualitätsbeurteilungen.
- Automatisierte Scoring- und Ranking-Funktionalitäten: Moderne SRM-Plattformen bieten häufig bereits Ansätze für Multi-Kriterien-Scorecards, Gewichtungsfunktionen und Ranking‑Algorithmen. Das ermöglicht eine objektive, nachvollziehbare Einordnung der Lieferanten – auch bei großen Lieferantenstämmen.
- Unterstützung im Risikomanagement und Compliance-Tracking: Gerade wenn Nachhaltigkeit, ESG-Standards und Compliance relevant sind, hilft ein SRM-System, Risiken in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen und zu steuern. Dokumentation, Audit-Historie und Nachhaltigkeitskennzahlen sind jederzeit abrufbar. Hierbei lassen sich über Schnittstellen auch relevante externe Datenquellen anbinden.
- Basis für strategische Lieferantenentwicklung und Performance‑Management: Mit einer SRM-Lösung lassen sich gezielt Maßnahmen wie Lieferantenentwicklung, Audits, Schulungen oder Wechselprozesse ableiten. Auch Lieferantenkommunikation, Vertragsmanagement und Performance-Monitoring werden vereinfacht.
Lieferantenklassifizierung darf kein einmaliges Projekt sein. Nur durch eine kontinuierliche Pflege – z. B. halbjährlich, nach Audits oder bei Änderungen im Lieferantenumfeld – bleibt die Klassifikation aktuell und aussagekräftig. Moderne SRM-Plattformen unterstützen diese Dynamik durch automatische Erinnerungen, Datenaktualisierung aus ERP/CRM-Systemen und integrierte Maßnahmenverfolgung.
Kurz gesagt: Eine SRM‑Lösung verwandelt die theoretische Lieferantenklassifizierung in ein lebendiges, praxisorientiertes Instrument — und macht sie für mittelständische wie große Unternehmen gleichermaßen skalierbar und wirkungsvoll.
Fazit: Lieferantenklassifizierung als strategisches Steuerungselement
Mit einer durchdachten Klassifizierung und der Einbindung einer modernen SRM-Lösung schaffen Unternehmen die Grundlage für ein systematisch gesteuertes, datengestütztes und zielgerichtetes Lieferantenmanagement. Sie erkennen frühzeitig Risiken, priorisieren leistungsstarke Partner und verbessern die Entscheidungsqualität bei Auswahl, Entwicklung und Zusammenarbeit. So wird die Lieferantenklassifizierung zu einem strategischen und dennoch praxisnahen Steuerungselement. Und zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor, um auch in Zukunft effizient, resilient und wettbewerbsfähig zu bleiben.