Digitale Souveränität ist heute eine Kernvoraussetzung, um als Unternehmen selbstbestimmt und handlungsfähig zu bleiben. Das gilt besonders unter volatilen digitalen, rechtlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen. Digitale Prozesse hängen heute fast immer von mehreren Bausteinen ab: Cloud-Infrastrukturen, Software-Anbietern, Schnittstellen, Datenflüssen, Sicherheitskonzepten und zunehmend auch künstlicher Intelligenz.
Je stärker diese Bausteine ineinandergreifen, desto größer wird das Risiko, dass einzelne Abhängigkeiten geschäftskritisch werden. Umso wichtiger ist es, diese Abhängigkeiten frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und beherrschbar zu halten.
Dabei geht es nicht um technologische Abschottung. Digitale Souveränität bedeutet auch nicht, jede Software selbst zu entwickeln oder internationale Anbieter grundsätzlich auszuschließen. Entscheidend ist, Kontrolle über die eigenen Daten, Systeme und Entscheidungsspielräume zu behalten. Unternehmen müssen wissen, welche Abhängigkeiten sie eingehen, wo geschäftskritische Informationen verarbeitet werden und welche Handlungsoptionen bleiben, wenn sich rechtliche, technische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern.
Besonders deutlich wird das bei Systemen, die zentrale Geschäftsprozesse abbilden. Dazu gehören ERP-, Kommunikations-, Cloud- und CRM-Lösungen. CRM-Systeme zeigen hierbei ganz besonders, wie eng Daten, Prozesse, Schnittstellen und KI-Funktionen inzwischen miteinander verbunden sind.
Inhalt
- Warum digitale Souveränität jetzt wichtiger wird
- Was digitale Souveränität im CRM bedeutet
- Warum digitale Souveränität für CRM-Systeme besonders relevant ist
- EU AI Act und KI im CRM richtig einordnen
- Europa, USA und die Frage der Software-Abhängigkeit
- Wie fördern Europa und Deutschland digitale Souveränität?
- CRM-Hosting in Deutschland als wichtiger Baustein
- Orientierung durch C3A: Was souveräne Cloud-Nutzung messbarer macht
- Wie Unternehmen digitale Souveränität konkret stärken können
- Digitale Souveränität ist mehr als Datenhoheit
- Digitale Souveränität als gemeinsame Aufgabe
- Fazit: Digitale Souveränität beginnt bei klaren Entscheidungen
- FAQ zu Digitaler Souveränität
Warum digitale Souveränität jetzt wichtiger wird
Unternehmen nutzen digitale Technologien heute intensiver, vernetzter und datengetriebener als je zuvor. Cloud-Services ermöglichen skalierbare Systeme, Software-as-a-Service beschleunigt die Einführung neuer Anwendungen, Schnittstellen verbinden Fachbereiche und KI unterstützt Entscheidungen, Analysen und operative Abläufe. Diese Entwicklung schafft enorme Chancen. Gleichzeitig erhöht sie die Abhängigkeit von digitalen Ökosystemen, deren Verfügbarkeit, Regeln und Weiterentwicklung Unternehmen oft nur begrenzt beeinflussen können.
Digitale Souveränität gewinnt deshalb an Bedeutung, weil Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit nicht allein von einzelnen Plattformen, Anbietern oder Rechtsräumen abhängig machen sollten. Wer zentrale Daten, Prozesse und Integrationen nicht ausreichend überblickt, kann bei Ausfällen, Vertragsänderungen, neuen regulatorischen Vorgaben oder geopolitischen Verschiebungen schnell unter Druck geraten.
Hinzu kommen neue Anforderungen auf europäischer Ebene. Der EU AI Act erhöht die Bedeutung von Transparenz, Risikobewertung und verantwortungsvoller KI-Nutzung. Die Regelungen greifen schrittweise; die vollständige Einführung ist bis zum 2. August 2027 vorgesehen. Auch der Data Act stärkt Themen wie Datenzugang, Interoperabilität und Wechselmöglichkeiten. Für Unternehmen entsteht daraus ein klarer Auftrag: digitale Systeme nicht nur nach Funktionalität und Kosten zu bewerten, sondern auch nach Datenhoheit, Kontrollierbarkeit, Zukunftssicherheit und Resilienz.
Digitale Souveränität ist damit keine abstrakte Grundsatzfrage. Sie ist ein praktisches Entscheidungskriterium für IT, Fachbereiche und Geschäftsführung. Besonders dort, wo sensible Kundendaten, automatisierte Prozesse und KI-Funktionen zusammenkommen, braucht es klare Strukturen und belastbare Handlungsoptionen.
Was digitale Souveränität im CRM bedeutet
Digitale Souveränität im CRM beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, Daten, Systeme, Prozesse und Anbieterbeziehungen bewusst zu gestalten und kontrollierbar zu halten. Es geht um Transparenz, Gestaltungsfähigkeit und realistische Handlungsoptionen.
Drei Dimensionen sind dabei besonders wichtig: Datenhoheit, technologische Kontrolle und operative Handlungsfähigkeit.
Datenhoheit bedeutet, dass Unternehmen nachvollziehen und beeinflussen können, wo ihre CRM-Daten gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Dazu gehören Kundendaten, Kommunikationshistorien, Angebote, Verträge, Serviceinformationen, Auswertungen und Daten aus angebundenen Systemen. Ein souveränes CRM schafft Transparenz über Speicherorte, beteiligte Dienstleister, technische Zugriffe, Löschkonzepte und Sicherungsmechanismen. Ebenso wichtig ist die Kontrolle darüber, welche Analyse- oder KI-Funktionen auf CRM-Daten zugreifen.
Technologische Kontrolle bedeutet, dass ein CRM-System Unternehmen nicht in eine technische Sackgasse führt. Souveräne CRM-Lösungen bieten offene Schnittstellen, nachvollziehbare Datenmodelle, strukturierte Exportmöglichkeiten und flexible Anpassungsoptionen. Gerade im Mittelstand ändern sich Prozesse regelmäßig. Vertriebsstrukturen werden angepasst, neue Servicekanäle entstehen, Marketing-Automation wird erweitert und KI-Funktionen kommen hinzu. Ein CRM-System muss diese Entwicklung unterstützen, ohne bei jeder Veränderung neue Abhängigkeiten zu schaffen.
Operative Handlungsfähigkeit zeigt sich besonders dann, wenn neue Anforderungen entstehen. Unternehmen bleiben souverän, wenn sie Betriebsmodelle anpassen, Daten migrieren, Schnittstellen nachvollziehen und kritische Prozesse auch bei veränderten Rahmenbedingungen absichern können. Kaum ein modernes CRM kommt ohne externe Technologie, Cloud-Services oder Integrationen aus. Entscheidend ist deshalb nicht, Abhängigkeiten vollständig zu vermeiden, sondern sie zu kennen, zu dokumentieren und kontrollierbar zu halten.
Warum digitale Souveränität für CRM-Systeme besonders relevant ist
CRM-Systeme verbinden heute Vertrieb, Marketing, Service, Management und häufig auch Partner- oder Lieferantenprozesse.
Im Vertrieb dienen CRM-Daten als Grundlage für Pipeline-Management, Forecasts, Kundenpriorisierung und Abschlusswahrscheinlichkeiten. Im Marketing steuern sie Kampagnen, Segmentierungen, Lead-Qualifizierung und Personalisierung. Im Service helfen sie, Anfragen schneller zu bearbeiten und Kundenhistorien vollständig zu verstehen. Für die Geschäftsführung liefern sie Kennzahlen zur Marktbearbeitung, Kundenbindung und Umsatzentwicklung.
Je stärker diese Prozesse digitalisiert, automatisiert und durch KI unterstützt werden, desto wichtiger wird die Kontrolle über die zugrunde liegenden Daten und Systeme. Ein CRM-Wechsel, eine Cloud-Migration oder die Einführung neuer KI-Funktionen betrifft dann nicht nur die IT, sondern zentrale Geschäftsbereiche.
Damit wird das CRM in vielen Unternehmen zum Herzstück kundenbezogener Prozesse: Hier laufen zentrale Informationen zusammen, werden Entscheidungen vorbereitet und Abläufe über mehrere Bereiche hinweg gesteuert. Genau deshalb spielt digitale Souveränität im CRM eine besondere Rolle.
Digitale Souveränität im CRM ist deshalb keine reine Sicherheitsfrage. Sie ist eine Voraussetzung dafür, Kundenbeziehungen, Datenbasis und Geschäftsprozesse langfristig verlässlich zu gestalten.
EU AI Act und KI im CRM richtig einordnen
Künstliche Intelligenz verändert die Nutzung von CRM-Systemen deutlich. Typische Einsatzbereiche sind Lead Scoring, Textvorschläge, automatische Zusammenfassungen, Prognosen, Service-Triage, Kundenanalysen oder die Unterstützung von Vertriebsaktivitäten.
Gerade bei KI zeigt sich, wie schnell neue Abhängigkeiten entstehen können. Unternehmen nutzen häufig Modelle, Plattformen oder Dienste, die außerhalb der eigenen Organisation betrieben und weiterentwickelt werden. Ändern sich Verfügbarkeit, Sicherheitsanforderungen, Vertragsbedingungen oder regulatorische Vorgaben, kann das direkte Auswirkungen auf automatisierte CRM-Prozesse haben. Wer KI-Funktionen tief in Vertrieb, Marketing oder Service integriert, sollte deshalb wissen, welche Daten genutzt werden, welche Anbieter beteiligt sind und welche Alternativen im Fall von Einschränkungen bestehen.
Mit dem EU AI Act entstehen zudem neue Anforderungen an Transparenz, Risikobewertung und verantwortungsvolle KI-Nutzung. Für CRM-Verantwortliche bedeutet das: KI-Funktionen sollten nicht nur nach Effizienzpotenzial bewertet werden, sondern auch nach Nachvollziehbarkeit, Datenbasis, Kontrolle und organisatorischer Einbettung.
Unternehmen sollten festlegen, welche CRM-Daten für KI-Funktionen genutzt werden dürfen, wie Ergebnisse geprüft werden, welche Entscheidungen automatisiert vorbereitet werden und wo menschliche Kontrolle erforderlich bleibt. Besonders sensibel sind KI-Anwendungen, die Empfehlungen oder Bewertungen erzeugen, die sich auf Kunden, Leads, Prioritäten, Preise oder Serviceprozesse auswirken.
Der EU AI Act ist deshalb nicht nur ein Compliance-Thema. Er ist ein Anlass, KI-Governance im CRM strukturiert aufzubauen. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Prozesse, transparente Datenverwendung und ein bewusster Umgang mit automatisierten Empfehlungen.
Europa, USA und die Frage der Software-Abhängigkeit
Viele Unternehmen nutzen Software, Cloud-Services und KI-Dienste internationaler Anbieter. Das ist in vielen Fällen sinnvoll, wirtschaftlich und technologisch leistungsfähig. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass rechtliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen Einfluss auf digitale Abhängigkeiten haben können.
Gerade zwischen Europa und den USA bestehen unterschiedliche Rahmenbedingungen bei Datenschutz, Datenzugriff, Plattformregulierung, staatlichen Zugriffsmöglichkeiten und Exportkontrolle. Für Unternehmen bedeutet das nicht, dass sie außereuropäische Software grundsätzlich ausschließen müssen. Entscheidend ist eine differenzierte Bewertung der eingesetzten Systeme, Datenflüsse und Vertragsgrundlagen.
Digitale Souveränität entsteht nicht durch pauschale Anbieterentscheidungen. Sie entsteht durch klare Kriterien, dokumentierte Risiken und realistische Handlungsoptionen. Für Unternehmen zählt deshalb nicht nur der Anbietername, sondern auch Architektur, Datenkontrolle, Betriebsmodell, Integrationsfähigkeit und Wechselmöglichkeit.
Wie fördern Europa und Deutschland digitale Souveränität?
Auch in der Politik gewinnt digitale Souveränität zunehmend an Bedeutung.
In Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen, Handelskonflikte mit China oder technologiepolitische Differenzen mit den USA ist diese Abhängigkeit ein ernstzunehmendes Risiko. Auch die jüngsten Diskussionen rund um KI-Regulierung und Plattformmonopole zeigen: Digitale Autonomie wird zunehmend zur Frage nationaler und wirtschaftlicher Sicherheit.
Die Bundesregierung sowie die Europäische Union haben erkannt, dass technologische Abhängigkeiten nicht nur wirtschaftliche Risiken bergen, sondern auch zur sicherheitspolitischen Herausforderung werden können. Die Bundesregierung hat die digitale Souveränität zum Leitmotiv ihrer Digital- und Innovationspolitik erklärt. Ziel ist es, die strategische Unabhängigkeit Europas zu stärken und die technologische Resilienz zu erhöhen.
Projekte wie GAIA-X, der European Chips Act, der EU Data Act oder EU Cloud Code of Conduct zielen darauf ab, europäische und nationale Alternativen zu stärken und strategisch wichtige digitale Infrastrukturen zurück in europäische Hand zu bringen.
European Chips Act
Der European Chips Act ist ein Maßnahmenpaket der EU-Kommission, das darauf abzielt, die Versorgungsschwierigkeiten bei Halbleitern zu bewältigen und die Produktion von Halbleitern in Europa zu erhöhen.
GAIA-X
GAIA-X ist ein Projekt zum Aufbau einer leistungs- und wettbewerbsfähigen Dateninfrastruktur in Europa.
EU Data Act
Der EU Data Act ist eine zentrale Verordnung zur Stärkung der europäischen Datenwirtschaft und digitalen Souveränität. Er verpflichtet Anbieter dazu, Nutzern –B2B und B2C– fairen Zugang zu von ihnen erzeugten Daten zu gewähren, etwa aus Maschinen, IoT-Geräten oder Software.
EU Cloud Code of Conduct
Der EU Cloud Code of Conduct (CoC) ist ein Verhaltenskodex, der Cloud-Anbietern hilft, die Anforderungen der DSGVO einzuhalten. Er soll einen europaweiten Standard etablieren, mit dem Anbieter ihre Datenschutzkonformität nachweisen und Kunden zusichern können, dass ihre Daten keinem unkontrollierten staatlichen Zugriff ausgesetzt sind.
Ziel dieser Initiativen ist es, Standards zu schaffen, die Datenschutz, Transparenz, Interoperabilität und Rechtskonformität sichern und damit sichere Alternativen zu US-Diensten bieten.
CRM-Hosting in Deutschland als wichtiger Baustein
Ein CRM-Hosting in Deutschland oder Europa kann ein wichtiger Bestandteil digitaler Souveränität sein. Es erleichtert häufig die Einordnung von Datenschutz, Rechtsraum, Supportprozessen und Datenverarbeitung. Für viele mittelständische Unternehmen ist ein regional nachvollziehbares Hosting-Modell daher ein relevantes Auswahlkriterium.
Der Hosting-Standort und auch der Anbieterstandort sind jedoch nur Teile der Bewertung. Entscheidend ist, wie transparent Betrieb, Schnittstellen, Datenexporte, Rechtekonzepte, Backups, Verschlüsselung, Notfallprozesse und beteiligte Dienstleister geregelt sind.
Ein souveränes CRM entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: sicherer Betrieb, transparente Datenverarbeitung, klare Zuständigkeiten, offene Integrationen und dokumentierte Wechselmöglichkeiten. Hosting in Deutschland oder Europa kann dafür eine gute Grundlage schaffen, ersetzt aber keine umfassende CRM-Governance.
Orientierung durch C3A: Was souveräne Cloud-Nutzung messbarer macht
Digitale Innovation und digitale Selbstbestimmung stehen nicht im Widerspruch. Gerade bei Cloud- und CRM-Lösungen geht es darum, moderne Technologien zu nutzen und gleichzeitig Kontrolle über Daten, Infrastruktur, Zugriffe und digitale Abhängigkeiten zu behalten. Europäische Lösungen und passende Rechtsräume können dabei wichtige Bausteine sein, wenn sie Transparenz, Kontrollierbarkeit und langfristige Wechselmöglichkeiten unterstützen.
Mit dem C3A-Kriterienkatalog des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik gibt es einen Orientierungsrahmen, der Souveränitätseigenschaften von Cloud-Diensten transparenter machen soll. C3A steht für „Criteria enabling Cloud Computing Autonomy“ und unterstützt Organisationen dabei, Cloud-Dienste anhand der für ihren Anwendungszweck relevanten Kriterien auszuwählen.
Für CRM-Verantwortliche ist dabei nicht entscheidend, jedes technische Detail des Kriterienkatalogs im Einzelnen zu prüfen. Die sechs Souveränitätsdimensionen lassen sich als kompakte Orientierung für die eigene System- und Anbieterbewertung nutzen.
C3A ersetzt keine individuelle CRM-Bewertung. Der Kriterienkatalog kann jedoch helfen, digitale Souveränität greifbarer zu machen und Gespräche zwischen IT, Fachbereichen, Einkauf, Datenschutz und Geschäftsführung auf eine gemeinsame Grundlage zu stellen.
Wie Unternehmen digitale Souveränität konkret stärken können
Digitale Souveränität entsteht nicht durch eine einzelne technische Entscheidung. Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Datenstrategie, IT-Architektur, Anbieterauswahl, Anbieterbewertung, Vertragsgestaltung und internen Verantwortlichkeiten. Unternehmen sollten deshalb die Bereiche betrachten, in denen digitale Abhängigkeiten besonders geschäftskritisch werden.
Ein zentraler Ausgangspunkt sind Datenflüsse. Unternehmen sollten nachvollziehen können, welche Daten in welchen Systemen entstehen, wo sie gespeichert werden, welche Anwendungen darauf zugreifen und ob sie durch Analyse- oder KI-Funktionen weiterverarbeitet werden. Das betrifft nicht nur personenbezogene Daten, sondern auch Vertriebsinformationen, Servicehistorien, Vertragsdaten, Produktinformationen, Prozessdaten und Auswertungen. Je transparenter diese Datenflüsse sind, desto besser lassen sich Risiken erkennen und beherrschbar halten.
Ebenso wichtig ist die Priorisierung kritischer Systeme und Prozesse. Nicht jede Anwendung hat denselben Stellenwert. Besonders relevant sind Systeme, die Kundenbeziehungen, Umsatzprozesse, Servicequalität, Lieferfähigkeit oder Managemententscheidungen direkt beeinflussen. Für diese Anwendungen sollten Unternehmen genauer prüfen, wie stark sie von einzelnen Dienstleistern, proprietären Schnittstellen, bestimmten Cloud-Infrastrukturen oder schwer ersetzbaren Integrationen abhängen.
Solche Bindungen lassen sich nicht immer vermeiden, aber sie sollten bewusst gestaltet werden. Dazu gehören klare Vertragsbedingungen, nachvollziehbare Supportprozesse, transparente Preis- und Funktionsmodelle sowie realistische Exit-Szenarien. Auch offene Schnittstellen, strukturierte Datenexporte und dokumentierte Integrationen sind wichtige Voraussetzungen, um langfristig flexibel zu bleiben.
Mit dem zunehmenden Einsatz von KI und Automatisierung wird außerdem die Kontrollierbarkeit digitaler Prozesse wichtiger. Unternehmen sollten wissen, welche Daten für automatisierte Auswertungen genutzt werden, wie Ergebnisse entstehen und an welchen Stellen Menschen Entscheidungen prüfen oder freigeben müssen. So wird digitale Souveränität nicht zum Innovationshemmnis, sondern zur Grundlage für verantwortungsvolle Digitalisierung.
Digitale Souveränität ist mehr als Datenhoheit
Datenhoheit ist ein zentraler Bestandteil digitaler Souveränität. Sie reicht allein jedoch nicht aus. Ein Unternehmen kann seine Daten in einem europäischen Rechenzentrum speichern und trotzdem stark abhängig bleiben – etwa durch Anbieter mit Sitz in außereuropäischen Rechtsräumen, proprietäre Datenformate, schwer nachvollziehbare Schnittstellen, fehlende Exportmöglichkeiten oder Prozesse, die nur innerhalb eines bestimmten Software-Ökosystems funktionieren.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, wo Daten liegen. Entscheidend ist auch, ob Unternehmen diese Daten verstehen, nutzen, schützen, übertragen und in andere Prozesse integrieren können. Digitale Souveränität setzt voraus, dass Daten in einer Qualität und Struktur vorliegen, die eine Weiterverwendung ermöglicht. Nur dann bleiben Unternehmen flexibel, wenn Systeme erweitert, abgelöst oder neu angebunden werden müssen.
Ebenso wichtig ist die Prozesshoheit. Viele digitale Abhängigkeiten entstehen nicht durch Daten allein, sondern durch die Art, wie Geschäftsprozesse in Software abgebildet sind. Wenn zentrale Abläufe nur mit hohem Aufwand angepasst werden können, entsteht eine operative Abhängigkeit. Das betrifft zum Beispiel Freigabeprozesse, Vertriebslogiken, Serviceabläufe, Kampagnensteuerung oder Reporting-Strukturen.
Echte Souveränität zeigt sich besonders im Ernstfall: bei einem Anbieterwechsel, bei neuen regulatorischen Anforderungen, bei Ausfällen, bei veränderten Geschäftsmodellen oder bei der Einführung neuer KI-Funktionen. Unternehmen, die ihre Daten, Prozesse und Schnittstellen gut kennen, können schneller reagieren. Unternehmen, die diese Grundlagen nicht im Blick haben, geraten dagegen leichter in eine Abhängigkeit, die erst sichtbar wird, wenn sie bereits problematisch ist.
Digitale Souveränität als gemeinsame Aufgabe
Digitale Souveränität kann nicht allein von der IT verantwortet werden. Die betroffenen Daten und Prozesse liegen in Vertrieb, Marketing, Service, Management und teilweise auch im Partnermanagement. Deshalb braucht es eine gemeinsame Sicht auf Risiken, Anforderungen und Prioritäten.
Die IT bringt technisches und sicherheitsrelevantes Know-how ein. Fachbereiche kennen die geschäftskritischen Prozesse und Anforderungen aus dem Alltag. Datenschutz und Einkauf sichern rechtliche und vertragliche Rahmenbedingungen. Die Geschäftsführung setzt Prioritäten und entscheidet über Risikobereitschaft, Investitionen und strategische Plattformentscheidungen.
Ein tragfähiger Ansatz verbindet diese Perspektiven. So wird digitale Souveränität nicht zur abstrakten Compliance-Aufgabe, sondern zu einem praktischen Steuerungsinstrument für bessere Technologieentscheidungen.
Fazit: Digitale Souveränität beginnt bei klaren Entscheidungen
Digitale Souveränität bedeutet, digitale Technologien bewusst zu gestalten, statt sich einseitig von ihnen abhängig zu machen. Entscheidend ist nicht der Verzicht auf moderne Cloud-Lösungen, KI oder internationale Software, sondern die Fähigkeit, deren Einsatz transparent und langfristig beherrschbar zu machen.
Für mittelständische Unternehmen wird diese Fähigkeit immer wichtiger. CRM-Systeme verarbeiten zentrale Kundendaten, unterstützen wichtige Geschäftsprozesse und werden zunehmend durch KI erweitert. Gleichzeitig verändern sich rechtliche und geopolitische Rahmenbedingungen.
Wer digitale Souveränität stärken möchte, sollte nicht nur auf den Hosting-Standort achten. Entscheidend sind Datenhoheit, transparente Anbieterstrukturen, passende Rechtsräume, offene Schnittstellen, klare Rechtekonzepte, nachvollziehbare KI-Funktionen, realistische Exit-Optionen und ein bewusster Umgang mit Cloud-Souveränität.
Der C3A-Kriterienkatalog des BSI zeigt, dass digitale Souveränität zunehmend messbarer und strukturierter bewertet werden kann. Für Unternehmen bietet das eine hilfreiche Orientierung: Souveränität beginnt nicht erst bei großen Infrastrukturentscheidungen, sondern bei der Frage, wie Daten, Systeme, Anbieter und KI-Funktionen im täglichen Betrieb kontrollierbar gehalten werden.
So wird das CRM nicht nur zu einem Werkzeug für Vertrieb, Marketing und Service, sondern zu einer verlässlichen Grundlage für langfristige Steuerungs- und Reaktionsfähigkeit.
FAQ zu Digitaler Souveränität
Veröffentlicht am 15.05.2024
Aktualisiert am 08.07.2026